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Das Wörgler Freigeld

In Wörgl war um 1932 die örtliche Zement- und Zellulosefabrikation stark zurückgegangen und die Arbeitslosenquote bedrohlich angestiegen.

Die Gemeinde hatte einerseits beträchtliche Steuerausfälle, andererseits hohe Lasten durch Unterstützungsleistungen an Arbeitslose. Die Kasse war leer, und ein Ende war nicht abzusehen. Ab Anfang Juli 1932 gab die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Michael Unterguggenberger als Lohn der Gemeindeangestellten eigene sogenannte Arbeitswertscheine aus, den Wörgler Schilling. Die Scheine gab es in Nennwerten von 1, 5 und 10 Schilling. Bis zum Ende der Aktion im August 1933 waren insgesamt Scheine im Wert von etwa 34.500 Schilling ausgegeben worden.

 

 Wörgler Freigeld: Die Wörgler Arbeitswertscheine im Wert von 1, 5 und 10 Schilling.
Quelle: Unterguggenberger Institut Wörgl/Archiv/www.unterguggenberger.org

 

Ein Experiment nach Silvio Gesell

Die Arbeitswertscheine waren umlaufgesichertes Freigeld. Ideenlieferant war dabei die Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell. Monatlich musste eine Marke zu einem Prozent des Nennwertes der Note gekauft und in ein dafür vorgesehenes Feld auf der Vorderseite des Geldscheins geklebt werden, um ihn gültig zu erhalten. Das Geld war durch Hinterlegung von Schillingen der Gemeinde bei der örtlichen Raiffeisenkasse gedeckt und gleichwertig an Schillinge gekoppelt. Mit diesen Scheinen konnten Gemeindesteuern bezahlt werden. Einheimische Geschäftsleute nahmen das Geld in Zahlung.

Das Experiment glückte. Geldkreislauf und Wirtschaftstätigkeit wurden wiederbelebt, während das übrige Land in der Wirtschaftskrise versank. Überall in Wörgl wurde gebaut und investiert. Noch heute zeugt unter anderem eine Straßenbrücke mit der Aufschrift „mit Freigeld erbaut“ davon. In den vierzehn Monaten des Experiments nahm die Arbeitslosenquote in Wörgl von 21 auf 15 Prozent ab, während sie im übrigen Land weiter anstieg.

 

Das Wunder von Wörgl 

Die positiven Auswirkungen führten dazu, dass der Modellversuch in der Presse als das „Wunder von Wörgl“ gepriesen wurde. Das Interesse daran stieg derart, dass über hundert weitere Gemeinden in Österreich dem Beispiel folgen wollten. Auch im Ausland und in Übersee fand die Aktion starke Beachtung und Nachahmer. Aus Frankreich reiste der Finanzminister und spätere Ministerpräsident Édouard Daladier nach Wörgl, und in den USA schlug der Wirtschaftswissenschaftler Irving Fisher der amerikanischen Regierung – wenn auch vergeblich – vor, ein Wörgl-ähnliches Geld mit Namen Stamp Scrip zur Überwindung der Wirtschaftskrise einzuführen.

Allerdings erhob die österreichische Nationalbank gegen die Wörgler Freigeld-Aktion vor Gericht erfolgreich Einspruch, weil allein ihr das Recht auf Ausgabe von Geld zustand. Das Experiment von Wörgl und alle weiteren Planungen wurden verboten, worauf Wörgl das Experiment im September 1933 beendete. Da bald darauf der Zweite Weltkrieg ausbrach, gerieten das Modell und sein Erfolg weitgehend in Vergessenheit.

 

Zusammenarbeit über Partei- und Weltanschauungsgrenzen hinweg: Der Treuhand-Ausschuss zur Abwicklung des Wörgler Nothilfeprogrammes mit Freigeld - von links Finanzreferent Dr. Georg Stawa, Bürgermeister Michael Unterguggenberger, Gemeindesekretär Rudolf Winkler und Pfarrer Matthias Riedelsperger.
Quelle: Unterguggenberger Institut Wörgl/Archiv/www.unterguggenberger.org

 

Mehr über das Freigeld

Eine Ausstellung zum historischen Wörgler Freigeld ist im Heimatmuseum in der Brixentalerstraße 1 während der Sommeröffnungszeiten von Mai bis September sowie nach telefonischer Vereinbarung unter +43 (0) 5332-77239 (Stadtarchivar und Museumsführung Hans Gwiggner) oder im Unterguggenberger Institut, Tel. +43 (0) 650-8311183 zu sehen.

In den Jahren 1951 und 1983 erinnerten Freiwirtschaftskongresse in Wörgl an das Währungsexperiment, ebenso eine Tagung 1996. Das Jahr 2007 wurde von der Energiemetropole Wörgl offiziell zum "Wörgler Freigeldjahr" erklärt.

Weitere Informationen finden Sie bei Unterguggenberger Institut Wörgl.